Mit Scheisse Geld verdienen
Ich wusste es, ich mach was falsch. Angestachelt durch die permanente Beschallung durch Werbung über mehr schlechte als nützliche Kommunikationsseiten für schwer beziehungsgeschädigte Mitmenschen unserer heutigen Gesellschaft, auch als Single-Communities bezeichnet, habe ich mich an eine Sache erinnert, die mir schon seit einigen Wochen im Magen lag. Ich bin dann also auf eine dieser Plattformen gegangen, habe mich brav angemeldet und ein ein wenig gewusselt.
Anmerkung: ja auch auch gehöre zu den oben beschriebenen Personen. Was die Sache aber noch schlimmer macht, ich gehöre auch zu den Personenkreis der sich durch die blosse Masse solcher Angebote auch gern auf mehr als einer Plattform anmeldet, nur um zu merken das sie alle im Grunde gleich sind, und “nur” in den monatlichen Abo-Preisen leicht unterscheiden ;).
Nunja, da war ich also. So unter uns kann ich es ja sagen: parship.de. Dahin kam ich in einer schwachen, abendlichen Situation. Ich hatte es im Urin, da gab es sicherlich wieder das gleiche Spiel wie bei allen den anderen auf den Markt. Aber ich war diesmal überrascht. Ich habe mittlerweile so den Gedanken, das die Plattform von einer Reihe von Feministinnen geführt wird, die Kerle einfach nur hassen und als das sehen was sie sind: hirnlose, extreme gutaussehend und geile, mit der Brieftasche wedelnden Plädhirne. Aber es scheint zu funktionieren: der Optionsumfang ist … übersichtlich, die Preise (monatlich, quartalsmässig, jährlich (Standard)) auf dne ersten Blick hoch, auf den zweiten Wucher. Aber es funktioniert offensichtlich.
Großartig ist der Persönlichkeitstest. Sehr toll, könnte man auch in den Kneipen einführen, bevor sich der Kerl an die Frau, die Frau an den Kerl oder sonstwer an sonstwas heranmacht. Macht die Sache anonymer und definitiv nicht spannender. Das ist, als wenn ich versuchen würde ein Date mit meiner Psychotherapeutin anzuleiern.
Aber, das ist alles noch im Rahmen des erträglichen. Allein bis zu diese Punkt kann ich nachvollziehen, wie man mit so einer Scheisse das ein oder andere Mehrfamilienhaus finanzieren kann. Denn, soviel Aufwand besteht dahinter ja nicht.
Die Technik ist offenkundig schon ein wenig in die Jahre gekommen, redaktioneller Aufwand ist quasi nicht vorhanden und die Infrastruktur wird, wenn die Betreiber clever genug sind, nicht von ihnen selbst, sondern von einem professionellen Team samt pauschal abgerechneten Servicevertrag gemanaged. So, was also, auf lang Sicht gesehen, ist Arbeit in so einem Portal? Freischalten von Profilen? .. *gäään* …
Aber ok. Mit Scheisse Geld verdienen, das ist ok. Wenn die Scheisse funktioniert. Tut sie nur bei Parship nicht. Und das ist der eigentliche Punkt der mich ankotzt.
Ich find es toll, das sich Parship auch für andersgeschlechtliche Genossen und Genossinen geöffnet hat. Nur, der Weg ist mir schleierhaft. Andererseits, wenn ich mir die Plattform abermals in’s Gedächntis ziehe, seh ich da einen gewissen Zusammenhang: so wenig Aufwand wie möglich für den höchstmöglichen Gewinn.
Man stelle sich die Plattform als große Diskothek vor. Der Haupteingang ist offen für alle. Erhellt, sauber, glitzend, toll. Trollt man sich um die Halle erkennt man aber einen 2. Eingang zu dieser, der genauso glitzert, funkelt. Aber dieser trägt einen anderen Namen auf der Tafel. “Ahhh” sagt man sich da, “Eine Diskothek nur für Kerle”. Sehr schön. Da freut sich das liberale Herz. Man spaziert ein wenig weiter, und erblickt einen 3. Eingang zur gleichen Halle. Selbes Prozedere, auf dem Schild steht wieder ein anderer Name. “Oooh”, denkt man sich, “Eine Diskothek nur für scharfe Chicks, an die man als Kerl niemals heran darf”. Das liberale Herz pocht wieder.
Zurück zum Eingang, wo man rein wollte. Die Schlange ist kürzer, die Frisur sitzt, man schleicht sich am Türsteher grinsend vorbei. Man trollt sich in der Halle, auf der Tanzfläche und sonstwo herum, lernt den ein oder anderen kennen und stellt allmählich fest, das die Arschbackenfreien Hosen einiger Gäste kein spezielles Kostüm zum Karneval ist, sondern das alle 3 Eingänge zur selben Tanzfläche führen.
Scheisse. Ich habe kein Problem damit das alle sexuellen Vorlieben unter einem Dach ausgelebt werden. Das würde unter Umständen interessant werden, aber die 3 verschiedenen Eingänge sind überflüssig.
Das ist Parship. Oder Gay-Parship. Beide Portale zielen auf den gleichen Datenbestand. Und der ach so tolle Persönlichkeitstest, die Suchoptionen oder “Partnervorschläge” sind glorreicherweise leider nicht auf das kleinste, gemeinsame Übel ausgerichtet: Wer sucht was. Und so bekomme ich als hetero Empfehlungen zu homosexuellen. Homosexuelle Empfehlungen zu hetero. Und noch toller. Homosexuelle Weibchen Empfehlungen zu heterosexuellen Kerlen. Das ist doch mal ein geiles Geschäft.
Der moderne Bauer: mit Scheisse Geld verdienen. Nur das man als Kunde der Bauer ist.