A developers tale: the light at the end of the tunnel is just a hallucination
“Die Arbeit eines Softwareentwicklers wird unterschätzt”
Diese These ist die reine Wahrheit. Jedoch sollte man diesen Berufszweig differenziert betrachten. Ich für meinen Teil gehöre wohl zu der sogenannten Spezies der Webentwickler. Das sind jene Allrounder, die für solche hübschen Webseiten wie diese hier zuständig sind. Egal, in welcher Ausprägung. Klein-, mittel- oder groß-skalierte Softwarestrukturen. Wir stehen an forderster Front.
Ist man nicht gerade in den Fängen Reddot-verseuchter Kölner IT-Dienstleister gefangen, und in einer mittelständischen Webagentur tätig, kann man sich gern als “Ironman unter den Softwareentwickler” bezeichnen.
Klingt arrogant, aber das ist die wohl treffenste Bezeichnung. Und sie ist mir eben erst unter der Dusche eingefallen.
Man ist kein Spezialist in einer big House Java-Schmiede, oder auf ein bestimmtes Produkt betrimmt. Man dient sich nicht an, nur bestimmte einzelne Tätigkeiten zu vollziehen. Nein, denn man macht einfach alles. Durchweg. Und meistens on-the-fly und alles auf einmal.
Nebenbei noch ein Privatleben führen udn die Nerven behalten.
Ich empfinde das als aussergewöhnlich. Das tun nicht alle. Und das ist eben der springende Punkt. Man kann uns zwar den “Ironman”-Titel verleihen, aber wahrgenommen werden wir als “Herr Schmitz aus Büro 254, Abteilung 5”.
Dummerweise macht dieser Schmitz alles, was von der Theke aus eingereicht wir. Bis hin zum Abstempeln.
Ich empfinde es immer so, als würden sich einige der Kunden unserer Agentur ständig fragen, wieso ein Posten einen gewissen Betrag hat. Wieso ein Posten soviel Zeit einnimmt. Wieso ein Posten nicht fertig ist, obwohl die besagt Zeit eingehalten wurde.
Tja, der letzte Punkt ist leider meistens die unabwendbar Summe von denen zuvor.
Denn in den meisten Fällen bewegen wir Entwickler uns nicht direkt von Punkt A nach Punkt B. Das wäre das 1:1 Abschreiben des gewünschten Programmflusses, wie er zuvor bis in’s Detail besprochen, konzipiert und abgenommen wurde. Aber sowas gibt es in 98% der Fälle nicht.
Die restlichen 2% sind der geplante Jahresurlaub.
Im Gegenteil. Es ist doch so das wir meistens eine “grobe” Zusammenfassung der Anforderungen über den gewünschten Posten erhalten, und dann das Paket schnüren müssen. On-the-fly wird dann anhand der Grundinformatione konzipiert, entwickelt, getestet, konzipiert, konzipiert, entwickelt, getestet, rollbacks, etc.
Konzipieren gehört hier aber nicht hin. Konzipieren ist nicht nur die grobe Systemarchitektur zusammen zu schustern. Oder eine Zeitschätzung abzugeben. Schöne Meetings abhalten und so.
Nein, konzipieren bedeutet einen Posten vom Fundament bis hin zum Dach durchzuarbeiten, abzustimmen und nieder zu schreiben.
Jeder einzelne Punkt, der nicht beachtet wird, muss dann während der Entwicklung, dem eigentlichen niederschreiben des Programmcodes, durchdacht werden.
Die meisten Kunden einer Webagentur wollen das wohl aufgrund der entstehenden Kosten nicht verstehen. Web bedeutet für die meisten dieser Ohren “schnell und einfach”. Jedoch bedeutet schnell und einfach keinesfalls weniger Arbeit.
Und leider wollen das selbst die ausführenden Agenturen manchmal auch nicht verstehen. Wundern sich, nein, beschwerren sich im Anschluss jedoch massiv, wieso die verabredete Zeitspanne massiv überschritten wurde.
Überhaupt. “Zeitschätzung” an sich ist schon ein Hohn. Die Dunkelziffer hinter solchen Dingen ist doch immer so hoch, das man sich am liebsten in’s nächste Berufsleben saufen will. Und wieso ist das so? Weil der realistische Aufwand weder von den Verantwortlichen gesehen werden will, noch den Auftragebern bekannt oder akzeptiert werden wollen.
Ich bearbeite derzeit 2 Projekte, an denen man den Aufwand der beteiligten Personen und die Auswirkungen dieses (leider normalen) Vorgehens gut nachvollziehen kann. Sollte es Schuldzuweisungen geben, müssten alle Seiten gesteinigt werden.
Nummero 1 kann man als Partyballon bezeichnen, der sich Zeitmässig auf das Volumen eines Heissluftballons aufgebläht hat und im Graubereich eher ein Zepelin ist. Aber psssst. Das muss keiner wissen. Obwohl, interessiert ja letztlich auch keinen.
Bei Nummero 2 soll aus einer Idee + 47er VW Golf ein 2007er Transformer gebaut werden.
Auf die sicherlich bald kommende Frage, wieso das “herunterschreiben des doch sowieso schon bestandenen Programmes” denn so massiv lange dauert, sollte vielleicht mal das Wörtchen “Detailkonzept” genannt werden? Ob da was zuckt? Ich glaube nicht lange.
Letztlich ist es ein Teufelskreis in unserem Business.
Da ist zunächst der Pitch eines Kunden, der so wenig für soviel wie möglich zahlen will. Dann kommt eine Agentur (oder IT-Dienstleister) und will an den Auftrag ran. Da ist sie meistens aber nicht allein. Alle unterbieten sich gegenseitig in der Kombinatiojn aus Preis+Leistung. Meistens weniger Preis für mehr Leistung.
Der ausführende Entwickler wird dabei selten gefragt. Er setzt es nur um. Und das vielleicht sogar in der Zeit, die verabredet war. Dank massiver Überstunden oder “Mehrarbeit”.
Der Kunde freut sich, das er für weniger Geld mehr bekam und kommt wieder. etc. etc.
Daraus auszubrechen ist eine ziemlich mühsame Sache.
In den letzten 7 Jahren ist mir noch kein solcher Fall bekannt geworden. Oder es ist mir nicht aufgefallen, immerhin entwickel ich mit der linken Gehirnhälfte, programmiere mit der rechten, teste mit dem Kleinhirn und bilde mich mit meinem mittlerweile gewaltig angeschwellten Sack fort.
Ich finde dieses Leben toll!