2008-05-24

Selbstverliebtheit

Vor einigen Tagen hab ich einen Artikel bei entwickler.de (original hier) gelesen, bei dem es darum ging wie “berechenbarer” doch diese Programmiersprache .. entschuldigt, Skriptsprache PHP doch ist. Autor war ein ein Mitarbeiter von Zend Technologies (eines der Unternehmen, das PHP am meisten fördert).

Da es morgens war als ich diesen Artikel las und mein erster Kaffee am Tag auch direkt die Motivationshemschwelle zum keifen gesenkt hat, wollte ich eigentlich direkt ein paar Worte dazu schreiben. Weswegen ein Artikel einer solch massiv voreingenommene Person als Neuigkeit auf den Seiten eines Fachmagazins auftaucht. Das dies so wäre, als wenn ein Robert Mugabe vor der UN versichert, das es keine Wahlfällschung und Gewaltverbrechen in seinem Land gäbe oder eine beliebige, regierende Junta über die “guten” Bedingungen in ihrem eigenen Land berichten. Und die UN das auch so akzeptiert. Weil, wer sollte es besser wissen als die Staatsoberhäupter. Oder eben Entwickler einer Programmiersprache.

Wie man da noch von “journalistischer” Sauberkeit reden könnte. Wo da die Transparenzen, die doch in dem Artikel beachtet werden sollten, blieben. Und so weiter, und so fort.

Entwickler können gern über die Vor- und Nachtteile der eigenen Programmiersprache sprechen, aber bitte, bitte keine offiziellen Vergleiche anstellen. Das sollten Unabhängige machen.

Nun, das waren meine Gedanken. Dann kam ein Job rein und ich hab mich um die wichtigeren Dinge gekümmert. Brot schmieren z.B.

Gestern dann aber kam im zuge einer “PHP Sucks” Diskussion wieder ein Zend Entwickler, Stanislav Malyshev, und konterte auf die Attacken. Schön zu lesen.

Stanislav Hauptargumente sind veralteter Code

First, people really need to stop reading something on PHP written somewhere in 2005 (probably about experiences that happened in 2001) and apply it to PHP as it is now

und das nicht PHP beknackten Code schreibt, sondern das Entwickler beknackten Code schreiben.

The next beef with PHP is that people write sucky code on it. No, really, they do? Must be something really wrong with this language. It’s not like people write mind-bogglingly sucky code on every other “good” language on the planet. But I get it. The intent was - PHP makes easy to write sucky code. Yes, this is true. As true as “Porsche 997 makes it easy to drive at 100mph into a brick wall”. PHP makes it easy to write various kinds of code - and if 90% of code written is sucky, then 90% of PHP code would be sucky. But my experience says quality of the production code almost never has much to do with the language, but only with the culture - organizational and personal, and with choosing right ways to do the job. The rest is just bad statistics in play. Like “I know 7-year-old writing websites, and his PHP code sucks”. I bet his Haskell code rules though

In gewisser Weise hat er Recht. Entwickler schreiben schlechten Code. Entwickler denken nicht nach, wie eine Programmiersprache eingesetzt werden kann. Und auch in anderen, weiter entwickelten Sprachen kann man beschissenen Code erzeugen.

Nur, PHP macht es jeden Entwickler und jenen, die es werden wollen, so verflucht einfach. PHP ist eine sehr, sehr einfach zu erlernenede Skriptsprache. Aber die fehlenden Strukturen, wie man sie bspw. bei Java vorgesetzt bekommt, machen es so verflucht einfach beschissenen Programmcode zu erzeugen.

Hinzu kommt das auch in der aktuellen Version, 356897 Jahre nach dem (teilweise) einführen der Objektorientierung in PHP immernoch auf Legacy-Code geachtet wird. Es wird kein harter CUT wie bspw. in Python gemacht. Trotz aller Schwächen die bekannt sind. Trotz den ganzen Ärgernissen. Trotz den ganzen Kritiken und Hinweisen und Wünschen aus aller Welt unterstützt PHP Legacy-Code. Das ist toll. Für ältere Anwendungen. Aber beschissen für das Image und den Wunsch, eine ernstzunehmende Programmiersprache zu sein.

Selbst Visual Basic ist, in seinen Programmstrukuturen, “sauberer” als PHP es nach mehr als 10 Jahren jetzt ist.

Aber in die Diskussion über pro und contras dieser Programmiersprache will ich mich gar nicht erst tiefer begeben. Das macht keinen Sinn. Denn mir ist wärend des verfolgens dieser andauernden Diskussionen aufgefallen das PHP, dessen Entwickler und ein Großteil der Webentwickler einen psychologische Gemeinsamkeit haben:

Sie sind selbstverliebt. Sie preisen sich selbst in einem Licht, das meistens nur sie selber sehen. Gibt es einen Erfolg, egal wie klein er ist, preisen sie diesen als wenn es kein morgen gibt. Sie akzeptieren keine Kritiken wie normale Menschen. Nein, die kontern. Nicht immer sachlich, sondern meistens mit einem arroganten, selbstherrlichen Grinsen. Warum auch nicht, immerhin meinen sie ja auch im Recht zu sein.

Sie schauen auf den “schnellen” Erfolg der Konkurrenz in der Branche und erblinden nicht zu selten an der eigenen Gier.

Startups, egal wie unbedeutend die Idee und kurzfristig der Erfolg ist, werden als Revolution gefeiert. Zuerst von den Gründern. Dann von den parasitären Community/Blogsystem das blind aufspringt.

(PHP) Entwickler, die kritisch im Netz belehrt werden, kontern nicht mit sachlichem wiederlegen der Vorwürfe, sondern hahnebüchenden Vergleichen.

Das musste mal raus. Und jetzt weiter mit dem PHP-basierten Webprojekt an dem ich derzeit sitze.

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